„Ich kann was bewegen“ Kommunaler Klimaschutz in einer Landesbehörde. Ein Bericht zum 23grad-Praxisforum Januar 2020

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat die Aufgabe, den Menschen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Hierzu zählen die Natur und Landschaft, Boden, Wasser, Luft und Klima, Strahlenschutz, Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit und der Tierschutz.
Marie M. arbeitet mit einem Team von 10 Kollegen im Referat „Klimaschutz und Klimawandelanpassung“. Sie übernimmt dort viele typische Aufgaben eines Ministeriums, denn vornehmlich sollen geltende Gesetze und Vorschriften umgesetzt werden. Dazu gehört die Fachaufsicht über Landesämter, das Schreiben von Stellungnahmen zu Gesetzen und Richtlinien, um diese zu kommentieren oder zu konkretisieren. Nicht nur Pressemeldungen werden verfasst, sondern auch die Reden für die Vorgesetzten. Regelmäßig finden Bund-Länder-Austausche statt, ein sehr wichtiger Aspekt für die Arbeit auf Landesebene.

Die Arbeit im Referat „Klimaschutz und Klimawandelanpassung“ fußt inhaltlich wesentlich auf dem politischen Willen. Denn wie auf Bundesebene hat auch Hessen kein Klimaschutzgesetz. So kann Marie mit ihrem Team viel breiter agieren und auch eigene Aufgabenfelder definieren. Grundlage bildet der Integrierte Klimaschutzplan Hessens, der 140 Maßnahmen aus verschiedenen Ministerien beinhaltet. Um diese Maßnahmen umzusetzen, werden z. B. spezifische Förderprogramm von Marie selbst aufgelegt, welche sehr direkt auf die Bedürfnisse z.B. der Kommunen ausgerichtet sind. Ein hoher Förderanteil von 90% der Projektkosten und eine unkomplizierte Antragstellung haben beim Programm „Netzwerk Klimakommune“ zum Erfolgt beigetragen. Dies ist häufig ein Dilemma bei bundesweiten Förderungen: Bundesmittel sind zwar ausreichend vorhanden, werden aber wegen der komplexen Antragstellung nicht abgerufen.
Marie ist zufrieden mit den Möglichkeiten der Klimaschutzarbeit, die das Ministerium zurzeit hat. Ist der politische Wille zu mehr Klimaschutz jedoch nicht vorhanden, können Mitarbeiter in den Ministerien ihn nicht vorantreiben.

Im Öffentlichen Dienst zu arbeiten bedeutet jedoch immer noch mit viel Komplexität umzugehen und geduldig mit starren Strukturen zu sein. Wer in einer Behörde tätig sein möchte, sollte sich über diese genau informieren. Mit einem Bachelorabschluss gelangt man in Landesbehörden zur Position eines Sachbearbeiters. Erst mit dem Masterabschluss ist der Weg frei für eine leitende Position.
Die Bewerbungsgespräche finden üblicherweise vor größerem Publikum statt: Gleichstellungsbeauftragte, Personalratsvertreter und ein bis zwei Vorgesetzte. Man sollte ernsthaft gut vorbereitet sein, denn es wird fundiertes Fachwissen erwartet und abgefragt, und getestet, ob man sich der behördlichen Strukturen bewusst ist ;).