Umwelt- und Sozialstandards in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Ein Bericht zum 23grad-Praxisforum Sommersemester 2020

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (KfW-DEG) mit Sitz in Köln ist eine Tochter der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Durch sie werden private Klein- und mittelständische Unternehmen weltweit in Entwicklungs- und Schwellenländern finanziert, beraten und begleitet. Claas L. hat an der Leuphana bis 2005 Umweltwissenschaften und BWL studiert. Erste Berufserfahrungen sammelte er im Umweltmanagement, dabei spielte die Prüfung von sozialen Aspekten bereits eine Rolle. Seit 2010 ist er Senior Fachreferent bei der KfW-DEG.

In der Entwicklungszusammenarbeit ist der private Sektor wichtig, denn dieser setzt auf Langfristigkeit. Beispielsweise muss nach dem Aufbau einer produzierenden oder elektrischen Anlage der Weiterbetrieb gesichert sein. Erst so kann eine stabile Entwicklung erfolgreich sein. Geldmittel der DEG sind eigens erwirtschaftete Gelder. Können Banken vor Ort selbst als Kreditgeber auftreten, hält sich die DEG zurück. Oftmals können jedoch lokale Banken nur kurzfriste Kredite vergeben. Bei Finanzierungen, die über 7 bis 15 Jahre laufen, kommt dann die DEG ins Spiel.

Kern der Kreditvergabe ist die Integration von Umwelt- und Sozialstandards. Die DEG wendet die IFC Performance Standards inklusive der Richtlinien zu "Enviromental, Health and Safety" an. Diese von der International Finance Corporation (IFC) entwickelten acht Standards sind in der internationalen Entwicklungsfinanzierung der am weitesten verbreitete Beurteilungsmaßstab. Auch umfassende Menschenrechtsaspekte sind verankert.

Eine intensive Prüfung ist notwendig, um frühzeitig „No-Gos“ zu finden. Die Projekte werden in vier Risikokategorien unterteilt, aus denen sich die Prüfungstiefe ergibt. Vorhaben im IT- oder Bildungsbereich haben geringe Risiken, Bergbauvorhaben oder Plantagen große. Kommt es zu Umsiedlungen und Entschädigungen? Werden Indigene einbezogen? Ohne Zustimmung der Betroffenen oder ohne Kompromiss erfolgt keine Kreditvergabe. Jede Form der Diskriminierung und Unterdrückung verstößt gegen die IFC-Standards. Immer wieder ist im länderspezifischen Recht jedoch keine Gleichbehandlung aller Personen verankert. Problematisch sind Subunternehmer, die Mitarbeiter einstellen und mehrere Monatsgehälter als Vermittlung verlangen oder bewaffnetes Sicherheitspersonal. Eine intensive Prüfung im Land erfolgt mit lokalen Beratern, die mit der dortigen Rechtslage vertraut sind.

Nach der Kreditvergabe beginnt ein langer Prozess der Begleitung. Das ist der eigentlich wichtige Teil der Arbeit, denn die Risikolage soll sich verbessern. Für Verbesserung zu sorgen ist nicht alleine die Aufgabe der Kreditnehmer, sondern ebenfalls in der Verantwortung der DEG. Somit arbeitet Claas viele Jahre eng mit den Unternehmen zusammen, um immer wieder zu kontrollieren und zu optimieren. Projektbesuche gehören dazu.
Diese macht er besonders gerne, wenn Unternehmen eigenständig weitere Verbesserungen für Menschen und Umwelt umsetzen. So wurden bei einem Bergbauvorhaben Ausbildungsplätze für Tischler geschaffen, um das anfallende Holz zu verarbeiten, und über 300 Menschen aus der Region für die Aufforstung eingestellt.