Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Praxis. Ein Bericht zum 23grad-Praxisforum Sommersemester 2020

Wer Nachhaltigkeit beruflich vorantreiben möchte schaut auf vielfältige Möglichkeiten. So ist es hilfreich, eigene echte Interessen zu definieren und auch zu verfolgen. Für Beate H. steht Konsum, Langfristigkeit, Respekt und die Freude nachhaltig zu Handeln ganz vorn. Nach dem sie an der Leuphana Universität Lüneburg Geografie und später Umweltwissenschaften studierte, war sie im Klimahaus Bremerhaven als Projektreferentin für Ausstellungsangebote tätig. Das Klimahaus ist ein vom Land Niedersachen anerkannter außerschulischer Bildungsstandort und verfolgt die Ziele der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Bei der Umsetzung von Wanderausstellungen oder Begleitveranstaltungen spielen Schüler*innen als Adressaten eine große Rolle. Somit erlangte Beate viele Einblicke in das Schulwesen.
Von Bremerhaven aus ging es nach Berlin zur Bundesgeschäftsstelle der NAJU. Dort arbeitete Beate Klimabildungsmodelle für Peergroups aus, bei denen Jugendliche zu Multiplikatoren ausgebildet wurden. Bei einem weiteren NAJU-Projekt „Fokus Biologische Vielfalt – Von der Naturerfahrung zur Politischen Bildung“ stand die Frage im Zentrum, welche Möglichkeiten Kinder und Jugendliche haben, um politisch Einfluss zu nehmen. Dabei entstanden praxisnahe Publikationen für Grundschulen und Sekundarstufen.
Immer die Welt der Schulen im Blick und die Praxis im Fokus: Beate arbeitet nun bei der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung im dortigen Arbeitsfeld „Vernetzungsstelle Schulverpflegung“. Die Vernetzungsstelle ist für die Beratung zur Optimierung der Schulverpflegung und ebenso für die Unterstützung von Schulen auf dem Weg zur nachhaltigen Schulverpflegung zuständig. Sie wird z.B. von der Behörde für Schule und Berufsbildung, sowie der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration gefördert.
Essen und Lebensmittel sind wichtige Bausteine der Nachhaltigkeit und gleichzeitig thematische BNE-Schwerpunkte in Schulen. Die Schulverpflegung sollte Zugpferd sein, denn sie hält uns den Spiegel unseres Wirkens und Handelns vor. Doch oft sind Schulen und Caterer bei der Umsetzung überfordert. Effektivität und Personalfragen geben den Ton an. Es gibt weder Raum noch Zeit leckere Speisen auszuprobieren, die nachhaltig sind.
Beate möchte die Umstellung pragmatischer machen. Dazu werden z.B. Probeessen an Schulen veranstaltet, Rezeptsammlungen für Caterer und Checklisten bereitgestellt. Ein Handlungsleitfaden zeigt, wie viele tierische Produkte nötig sind und wie mehr pflanzliche Kost, Bioware und fair gehandelte Produkte auf den Teller kommen.
Die Umsetzung erfolgt nicht ohne Gegenwind. Immer wieder wird das Argument höhere Preis genannt. Saisonale, regionale Ware und weniger Fleisch können jedoch den Preis senken. Es kommt vor, dass Kinder von der Schulverpflegung abgemeldet werden, da es kein Fleisch gibt. Transparenz ist wichtig für Kinder, Eltern, Küchenpersonal und Schulleitung - alle müssen mit ins Boot geholt werden. Gemeinschaftliche Events wie der Tag der Schulverpflegung, Kochworkshop für Schüler*innen gehören zum festen Fahrplan auf dem Weg zur nachhaltigen Schulverpflegung.

Wichtige Internetseite zu BNE
Bundesministerium für Bildung und Forschung: www.bne-portal.de

ANU Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung: www.umweltbildung.de

Forum Umweltbildung: www.umweltbildung.at