Bericht zum 10. Praxisforum Umweltwissenschaften Berufliche Vielfalt - ein Schatz der Umweltwissenschaften

Die Bandbreite der Berufsfelder in denen Umweltwissenschaftler arbeiten ist enorm. Aber auch das Aufgabenspektrum an einem Arbeitsplatz kann sehr vielseitig sein. Dies konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zehnten Praxisforums Umweltwissenschaften von Ilka Peterson erfahren. Ilka ist Referentin für Freiwilligendienste beim Jugendpfarramt der Nordkirche Plön und betreut die „Ökologische Freiwilligendienste“ an den verschiedensten Einsatzstellen in Schleswig-Holstein.

Ihre Aufgaben beginnen mit der jährlichen Koordinierung der über 100 FÖJ, der Planung und Durchführung der Schulungsseminare für die Teilnehmer des Freiwilligendienstes und enden mit dem Schreiben von Berichten und Statistiken. Auch wollen die Einsatzstellen gut von Ilka beraten werden, wozu sie diese regelmäßig besucht - per Zug und Faltrad. Vor allem aber brauchen die FÖJ in ihrem Freiwilligen Jahr einen vertrauten Ansprechpartner. Dieser Aufgabenbereich hat sich in den letzten Jahren deutlich ausgedehnt, stellt Ilka fest, denn die jungen Menschen befinden sich in eine Orientierungsphase, sind auf der Suche, wollen Visionen finden und umsetzten. Sie haben aber auch Probleme wie Heimweh, Ängste bis hin zu Depressionen und für alles ist Ilka im ersten Moment zur Stelle. Eine enorme Herausforderung.

Das Studium an der Uni Lüneburg zur Umweltwissenschaftlerin hat ihr viel mit auf den Weg geben: Die Vielfalt der Umweltbildungsmetoden, das Lernen in diversen Wissenschaftsbereichen, das selbstständige Agieren und Organisieren.

Am Ende des Vortrags entwickelte sich eine interessante Diskussion bezüglich der pädagogischen Qualifikation der Lüneburger Umweltwissenschaftler, denn oft ist diese bei Stellenausschreibungen im Umweltbildungsbereich gefragt.

Mit der Entwicklung hin zum Bachelor und Masterstudium ist es nun viel einfacher beide Qualifikationen zu erwerben, den Bachelor in den Umweltwissenschaften abzuschließen und den Master im pädagogischen Bereich oder umgekehrt.

 

Tobias ist ganz wo anders gelandet, in einer Behörde direkt vor unserer Haustür. Er arbeitet bei der Klimaschutzleitstelle Lüneburg, welche bei der Stadt und beim Landkreis angesiedelt ist. Dabei ist er zum Studium der Umweltwissenschaften völlig unbürokratisch mit dem Floß über die Elbe nach Lüneburg gekommen. Auf dem Floß waren viele nette Uwis die gemeinsam etwas gegen Atomstrom unternehmen wollten. Gemeinsam mit Menschen etwas in Bewegung bringen, das hat Tobias während seines ganzen Studiums getan, z.B. eine Energiegenossenschaft mit geründet und ein Projekt zum gemeinsamen Leben und Wohnen initiiert. Das Wissen und Handwerkszeug dazu hat sich immer erst beim eigentlichen Tun entwickelt. Damit hört Tobias auch nun nicht auf, denn er Sitz an der Schnittstelle zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik um Projekte anzustoßen und zu fördern. Die Akteure an einen Tisch bringen damit gemeinsam etwas in Punkto Klimaschutz in Bewegung gerät! Da geht es z.B. um das Serviceteam Stromsparen, welches kostenlos Energiesparberatung für Haushalte mit geringem Einkommen anbieten in Kooperation mit der neuen Arbeit Lüneburg e.V. oder um die Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergieanlagen oder um die energetische Optimierung eigener Gebäude und Betriebe, um das Mitwirken auf regionalen Umweltmessen, um eine Solardachbörse, um die Förderung von Kita- und Schulprojekten und um die Erstellung eines Energieportals auf dem alle klima- und energierelevanten Projekte, Anlagen und Energiepotenziale Lüneburgs dargestellt werden. Ist denn Lüneburg bald eine energieautarke Region? Diese Frage müssen wir zukünftig Tobias stellen.

Fabiola zog es nach dem Studium über den Ärmelkanal nach England und sie begann in der Stadt Slough zu gärtnern – als Community Food Gardens Officer. In dem dreijährigen Projekt ging es darum Kleingärten zu kultivieren und Menschen mit allerlei sozialen Nachteilen eine neue Aufgabe und Orientierung zu geben. Viele Menschen entdeckten die Gärten für sich als neuen Lebensmittelpunkt. Fabiola machte dieses Projekt besondere Freude durch die Freiheit das Projekt selbst gestalten zu können. Nach dem Projektende arbeitetet sie in Cambridgeshire als Koordinatorin der Local Biodiversity Partnership. Es ging um die Realisierung von Biodiversitätsprojekte auf kommunaler Ebene, wie Flussrenaturierung, Weiden- und Heckenpflege, Streuobstwiesenprojekte. Die Vielfalt der vielen kleine Projekte machte es nötig viele Kooperationspartnern für die Vorhaben zu gewinnen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Zurück in Deutschland: Nun arbeitet Fabiola als Bildungsreferentin der Bildungsstätte Rolleferberg. Vor allem Grundschulklassen kommen und können typische Umweltbildungsprogrammen durchführen. Zukünftig will sie das Angebot für Jugendliche weiterentwickeln z.B. mit Themen zum Klimaschutz. Unterstützt wird sie durch die FÖJ. Die FÖJ werden auch von Fabiola betreut und bringen frische Ideen in das Bildungszentrum, welche gerne in die Bildungsprojekte aufgenommen werden.

Fabiola war erstaunt wie einfach es war in England einen Job zu ergattern, die Sprache war kein Stolperstein und auch Bewerbungsgespräche per Telefon und Skype gehören auf der Insel schon zum Bewerberalltag. Da ist man hierzulande noch längst nicht soweit: Während Fabiola in England schon zu 5 Bewerbungsgesprächsterminen vereinbaren konnte, ohne vor Ort zu sein, bekam sie in ihrer Heimat im gleichen Zeitraum nicht eine Einladung. Die Befristung der Stellen empfand sie als vorteilhaft, einerseits um sich erst einmal ausprobieren zu können und andererseits um noch weitere Aufgabenbereiche kennenzulernen. Fabiola gibt gern Tipps zur Jobsuche in England, die sie auch in ihrer pdf-Dokumentation aufgeführt hat. Die Dokumentationen stehen für 4 Wochen hier auf der Plattform zur Verfügung.