Bericht zum Praxisforum Umweltwissenschaften – Januar 2017

Naturschutz als Beruf für Umweltwissenschaftler beim Naturschutzbund NABU

Sie war eine Frau, die sich über die Mode zur Jahrhundertwende aufregte, bei der Hutschmuck aus großen bunten Vogelfedern bestand. 1899 gründete Lina Hähnle den „Bund für Vogelschutz“ und trieb fast 40 Jahre lang den Naturschutz voran. Heute trägt der Verein mit über 600.000 Mitgliedern den Namen Naturschutzbund NABU. Der NABU ist vor allem in der Breite mit über 2000 Ortsgruppen aktiv und präsentriet uns alljährlich den „Vogel des Jahres“. 2017 ist es der Waldkauz. Für das internationale Wirken wurde 2009 die NABU International Naturschutzstiftung gegründet.

Carolin deMattia, die als 23grad zum Praxisforum eingeladen wurde, arbeitet seit 2012 in verschiedenen Funktionen beim NABU Baden-Württemberg. Zur Zeit ist sie eine der 28 Angestellten der Landesgeschäftsstelle in Stuttgart und die Assistenz des Vorstands sowie der Geschäftsführung und leitet das Projekt „Natur nah dran“. In Baden-Württemberg hat der NABU 90.000 Mitglieder. Das sind mehr als die größte politische Partei des Bundeslandes die CDU (68.600) hat. Der indirekte politische Einfluss des Vereins ist somit nicht unbedeutend.

Die Mitglieder haben eine große Erwartung an ihren Verein. Carolin hat diese mit zu erfüllen und das bedeutet, in der Landesgeschäftsstelle vor allem Besprechungen, Besprechungen, Besprechungen und viel PC-Arbeit, die im Sommer beim häufigen Feinstaubalarm in Stuttgart anstrengend ist und die Notwendigkeit nach mehr Grün bestätigt.

Ihr Projekt heißt „Natur nah dran“. Es soll die grüne Infrastruktur im städtischen Raum fördern, mit dem Ziel des Biotopverbundes. Dabei geht es um die Umgestaltung von Fläche in naturnahe Grünfläche. Kommunen können sich um die Fördergelder bewerben. Hat eine Kommune den Zuschlag erhalten beginnen Schulungen für das Personal z.B. der Bauhöfe, denn sie sollen Flächen anlegen und später auch pflegen. Die Flächen werden gemeinsam mit Fachkräften des NABU und auch mit Anwohnern umgestaltet. Carolin hängt auch Nisthilfen auf, stellt Infotafel bereit, organisiert Exkursionen und Demonstrationen.

Ihre eigne NABU-Mitgliedschaft kam zufällig zustande, nach dem FÖJ beim Freilandlabor Britz e.V. begann sie ihr Studium der Umweltwissenschaften und wollte eine Natur-Kinder-Gruppe „Die schlauen Füchse“ leiten. Aus versicherungstechnischen Gründen war die Mitgliedschaft im NABU sinnvoll. Praktika z.B. bei „Brot für die Welt“ und beim Umweltministerium in Bologna ergänzten sinnvoll ihr Studium. Ihre erste Stelle trat sie in der Akademie für Natur und Umweltschutz in Stuttgart an und arbeitete ebenfalls für den BUND.

Um sich im stuttgarter Raum mit 23grad-Mitgleidern zu treffen rief sie den 23grad-Stammtisch ins Leben. Dort traf Carolin Mitglieder, die beim NABU tätig waren und bald für eine Elternzeit im Job pausieren wollten. So kam ihr Einstieg beim NABU eigentlich über ein Stammtisch-Gespräch ins Rollen.

Das breit aufgestellte Studium ist von Vorteil für ihre vielfältige Tätigkeit. Allerdings fehlt die Tiefe der Artenkenntnis für die Arbeit bei einem Naturschutzverein. Diese musste sie sich nach und nach noch aneignen.
Die ca. 20 Studierenden stellten im Anschluss spezifische Fragen. Oft werden die befristeten Arbeitsverträge, die an Projekte gebunden sind, kritisch gesehen. Doch als Berufseinstieg bieten sie die Möglichkeit nach Projektende neue Tätigkeitsfelder und Arbeitgeber kennen zu lernen. Hilfreich für Carolin bei der Stellensuche waren die gedruckten Magazine des Wissenschaftsladens Bonn, die über aktuelle Stellenangebote informieren, der "Infodienst für Berufe in Bildung, Kultur und Sozialwesen" sowie der "Infodienst für Berufe in Umwelt und Natur". Auch die Homepage von greenjobs bietet eine Fülle von Jobs und Hinweisen und weiteren Links zu kleineren Jobseiten wie www.nachhaltigejobs.de.

Das Praxisforum Umweltwissenschaften ist eine Kooperation des Career Service und 23grad.