Bericht zum 11. Praxisforum Umweltwissenschaften - Die ganze Welt im Blick. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wie sehr leben wir in Mitteleuropa unter vorzüglichen Bedingungen und möchten sie nicht missen. Werte bewahren heißt, diese zu vermitteln - heißt stets den Dialog zu suchen, Transparenz zu schaffen und geduldig am Respekt festzuhalten.
Christine Priessner berichtete am 29. Oktober über ihren Weg zur Bildungsreferentin für Fairen Handel. Handel, der auf Transparenz und Respekt beruht.
Das Thema stieß bei den Studierenden auf enormes Interesse. Zum einen, da es im Studium kaum Möglichkeiten gibt, sich in dem Bereich zu vertiefen, zum anderen, weil es ein großes Bedürfnis ist, selbst „fair zu handeln“.
In Christines schulischer Ausbildung war ein Studium nicht geplant. Als Bankkauffrau arbeitete sie bei einem führenden Sportbekleidungsunternehmen und gewann Einblick in die Vermarktung von Kleidung. Niederschmetternd ihr Urteil heute, es sei alles noch schlechter als die Medien berichten. Somit kündigte sie, um das Abitur zu machen und ein Bachelorstudium zu absolvieren. Ihr Chef missbilligte ihre Kündigung mit den Worten „Du willst dich nur selbst verwirklichen“, nicht ahnend wie Recht er hatte. Das Masterstudium der Nachhaltigkeitswissenschaften in Lüneburg komplettierte ihre akademische Ausbildung, da sie sich intensiv mit Instrumenten zum umweltverträglichen Handeln und mit sozial-ökologischen Forschungsfragen beschäftigen konnte. Nach dem Abschluss führte sie Studien zur Überprüfung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten auf Nachhaltigkeit durch und berechnete ökologische Fußabdrücke. Mit der Qualifikation zur Multiplikatorin für Fairen Handel ist sie nun als Bildungsreferenten tätig und entwickelt derzeit einen Methodenkoffer für Bildungsinstitutionen zum Thema Boden. Fairer Handel und die Prinzipien der Gemeinwohlökonomie sind ihre Schwerpunkte. Christine peilt die Freiberuflichkeit an - ein langer Weg, jedoch der Weg der eigenen Ideen.

David Lam studierte Environmental Studies und Sustainability Science in Lüneburg und Lund (Schweden). Sein Motto für die Studierenden: „Studiert, was interessant für euch ist, und das richtig, und engagiert euch.“ Gesellschaftliches Engagement im Bereich Nachhaltigkeit ist seine Leidenschaft. Für den Vortrag am 3.11. hatte er sein Engagement auf einer Zeitleiste dargestellt und kam auf ca. 20 Projekte. Zwei seiner Projekte wurden vom deutschen Rat für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Immer etwas Neues wagen ist ihm wichtig. Er wirkte z.B. bei IAESTE mit, gründete den Verein Lünebohne und war beim ASTA aktiv. Er arbeitete beim Infu und CSM, und auch ein Praktikum bei der NNA gehörte zu seinen Stationen. Lebenserfahrung und Kontakte sammeln am laufenden Band. Auch zwei weitere Studiengänge (Chemie und Wirtschaftsingenieurwesen) begann er, brach sie jedoch ab. Aber etwas abzubrechen, gehört eben auch zum Sammeln von Lebenserfahrung.
Während des Studiums in Ecuador an der Universidad Técnica del Norte begeisterten ihn vor allem die Menschen und ihre Lebensart. Seinen Master in Schweden machte er gemeinsam mit 40 Menschen aus 25 Ländern. Internationalität leben, Sprachen lernen, offen sein für andere Lebenswelten - das sind wichtige Dinge, die man intensiv erleben muss. Mit Blick auf die Zuhörer unterstrich er: Nehmt euch die Zeit dafür! Hilfreich für die spätere Bewerbungsphase sind Sprachen, Empathie und Offenheit, denn Wissen bringen alle Bewerber mit.
David arbeitet aktuell bei Schlange & Co. Schlange & Co führt Managementberatung durch und hat sich auf Corporate Responsibility (CR) und Nachhaltigkeit spezialisiert. Sein Wirken für unternehmerisches Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit geht somit weiter. Das Unternehmen führte in den letzten 15 Jahren rund 400 Projekte für ca. 80 Organisationen in mehr als 15 Ländern durch. Dabei ist die Kundschaft sehr gemischt: Unternehmen, Stiftungen, NOGs und Behörden.
David berät die Kunden z.B. bei der Durchführung von Materialitätsanalysen (auch Wesentlichkeitsanalyse genannt) und Stakeholderdialogprozessen.
Nachhaltigkeitsberichte werden auch immer wieder sehr kritisch gesehen. Doch die Berichte werden nicht erstellt, damit man sie vorliegen hat. Sie dienen vornehmlich dem internen Vergleich. Sie zeigen den Handlungsbedarf und die Veränderungspotenziale. Dabei sind die Leistungsindikatoren für jeden Kunden ganz spezifisch. Wer sich ein Bild machen möchte, kann eine Vielzahl der Berichte auf der Webseite des Unternehmens einsehen.

Das 11. Praxisforum Umweltwissenschaften fand dieses Semester wieder in enger Kooperation mit dem Career Service der Leuphana Universität statt.

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