Praxisforum Umweltwissenschaften Corporate Responsibility in der Praxis

Trotz besten Wetters kamen zum Praxisforum Umweltwissenschaften am 24. Mai 2018 fast dreißig Interessierte und lernten Gesa bei einem sehr authentischen Vortrag zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsmanagement kennen, vor allem wie ernst und ehrlich sie ihre beruflichen Ziele verfolgt.
Der Begriff „Corporate Responsibility“ (CR) ist für viele Unternehmen ein zentraler Bestandteil des unternehmerischen Denkens und Handelns geworden und wirkt sich auf sämtliche Unternehmensprozesse und strategischen Entscheidungen aus. Gesa hat an der Leuphana Universität Betriebswirtschaftslehre mit Nebenfach Nachhaltige Entwicklung und im Master Nachhaltigkeitswissenschaften studiert. Seit Kurzem arbeitet sie nun als Seniorprojektmanagerin im Bereich Corporate Responsibility bei OTTO mit dem Schwerpunkt nachhaltige Lieferketten.

Der Einstieg in den CR-Bereich gelang ihr über eine kleine Beratungsfirma für Nachhaltigkeit. Dieser Weg ist empfehlenswert, um einen Einblick in die Themenvielfalt von Corporate Responsibilty kennenzulernen.
Zwischen den Aufgaben als CR-Verantwortliche in einem Unternehmen und Beratungsfirmen gibt es einen großen Unterschied: In einer Beratungsfirma ermöglichen die umfangreichen Kundenkontakte den Einblick in viele verschiedene Projekte und Unternehmen. Dafür ist ein schnelles Einarbeiten in die Themenvielfalt gefordert. Allerdings erfährt man nur selten etwas über den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen. Arbeitet man hingegen als CR-Manager in einem Unternehmen, ist man für den gesamten Prozess verantwortlich und kann Einfluss auf die Umsetzung nehmen. Genau dies war Gesas späteres Ziel. Sie arbeitete fast 3 Jahre als CR-Managerin bei Festo, einem weltweit tätigen Familienunternehmen und baute dort zusammen mit einer Kollegin den CR-Bereich auf. Ihr Wunsch, bei OTTO im CR-Bereich zu arbeiten, wurde nach mehreren Versuchen schließlich Anfang des Jahres Wirklichkeit. Gesa kann nur ermutigen, die eigenen Ziele stets weiter zu verfolgen und bei Rückschläge nicht zu schnell aufzugeben.

OTTO ist trotz seiner Größe ein „Familienbetrieb“. Gesas Erfahrung zufolge wird in einem familiengeführten Unternehmen das Thema CR ernsthaft betrieben, da es ein Anliegen der Eigentümer ist, verantwortlich zu wirtschaften. Es ist möglich Themen voranzubringen und dadurch macht die Arbeit Gesa sehr viel Spaß! Auch das steht bei Gesa an vorderster Stelle, denn ohne einer hohen Eigenmotivation ist Nachhaltigkeit in Unternehmen nicht umzusetzen. Man muss für sein Thema „brennen“ und geduldig bis hartnäckig sein. Die eigene Überzeugungskraft muss bei allen Verantwortlichen im Betrieb ansetzen und ankommen, es ist viel Kommunikationsgeschick gefragt. Große Veränderungen zu realisieren gelingt nicht ohne ein „GO!“ der Chefetage. Damit wird deutlich, dass CR im Kerngeschäft verankert sein sollte. Nicht weniger wichtig ist es, realistisch zu bleiben und Vorhaben ruhen zu lassen, wenn der Zeitpunkt der Umsetzung im Unternehmen noch nicht gekommen ist. CR-Manager zu sein heißt auch, Trenderkenner und Risikomanager zu sein. Neben der ständigen Analyse zukünftiger Anforderungen richtet sich der Blick auch auf die Mitbewerber - was wird dort bereits schon besser gelöst, welche Trends zeichnen sich ab? CR hilft Zukunftsperspektiven des Unternehmens sehr frühzeitig zu erkennen.

Im Studium hat Gesa vom Master Nachhaltigkeitswissenschaften am meisten profitiert. Das Engagement und Eigenverantwortlichkeit der Studierenden ist groß und die Vertiefung der Themen so, dass man sie im Job auch anwenden kann. Das Gelernte des BWL Studiums tritt in der Praxis in den Hintergrund. Um im CR-Bereich zu arbeiten, ist es jedoch nicht zwingend erforderlich Nachhaltigkeit studiert zu haben. Das Fachwissen kann man sich auch später noch selber aneignen und wird im Job weiter vertiefen. Essentiell hingegen ist die Leidenschaft für das Thema CR und die Fähigkeit andere Menschen dafür gewinnen zu können.
In wie weit ist das wissenschaftliche Arbeiten im CR-Bereich wichtig? Das war eine der Fragen der Teilnehmer*innen, von denen viele kurz vor der Jobsuche stehen. In der Beratung kann wissenschaftliches Arbeiten zum Einsatz kommen, so Gesa, denn es müssen immer mal wieder Studien gelesen oder selbst erstellt werden. Dafür ist analytisches Geschick gefragt und strukturiertes Arbeiten gefordert.