Berufsfeld Naturschutz - Zwischen Büro-"Käfig" und Freilandeinsatz

Das 23grad Praxisforum lockte im Juni 20 Teilnehmer*innen zum Vortrag von Dr. Eick von Ruschkowski.

Eick studierte im ersten Jahrgang Umweltwissenschaften an der Uni Lüneburg. Heute ist er Direktor der Alfred Töpfer Akademie für Naturschutz, auch bekannt als NNA in Schneverdingen.
Schon immer wollte Eick im Naturschutz arbeiten, was in seinem Abschlussjahr 2000 nicht einfach war. Mittlerweile hat sich das Bild verändert, denn um die Natura 2000 Ziele zu erfüllen, müssten in Niedersachsen noch bis zu 100 Arbeitsplätze entstehen, wie zum Beispiel die geplante Einrichtung weiterer Ökologischer Stationen.

Anfangs zog es Eick mit einem Promotionsstipendium an die Uni Hannover. Es entstand seine Doktorarbeit mit dem Schwerpunkt Akzeptanz von Großschutzgebieten. Es folgte eine Tätigkeit in der Forschung und Lehre.

2013 dann der Wechsel an die Naturschutzfront. Eick trat die Stelle als Fachbereichsleiter für Naturschutz und Umweltpolitik in der NABU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin an. Das war nicht nur ein Ortswechsel, sondern auch ein Rollenwechsel, denn an Führungspositionen sind hohe Erwartungen geknüpft. Eick hatte ausreichend Zeit sich mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen und viel zu lernen. Der Bereich des Personalwesens war zum Beispiel völliges Neuland. Er war sehr gerne in der Bundesgeschäftsstelle, ihm liegt die Verbandsarbeit und er scheute es nicht, immer neue Energie in die Krisenbewältigung zu stecken, eine typische Anforderung an den Chef. Die Themenvielfalt war abwechslungsreich und spannend. Von Berlin aus steuert der NABU seine politische Lobbyarbeit, die ebenfalls zu Eicks Aufgaben zählte. Mit der Lobbyarbeit einher geht oft die inhaltliche Reduktion auf Kernbotschaften. Diese Schmalspuraussagen machten weniger Freude, vor allem wenn man über 10 Jahre in der Wissenschaft tätig war. Eick steht für favorisiert wissenschaftsbasierte Lösungsansätze und faktenorientiertes Arbeiten. Aber gerade bei komplexen Themen, die in der Gesellschaft zusätzlich emotional beurteilt werden, wird es kompliziert. Ein typisches Thema sind Wölfe in Deutschland. Der Abschuss eines einzelnen Wolfes beispielsweise gefährdet nicht die Population in Deutschland und ist aus Naturschutzsicht in diesem Punkt unproblematisch. Aber kann man dies als Naturschutzverband genauso unproblematisch propagieren? Tierschutzgründe wirken emotional in der Gesellschaft oft stärker, da das einzelne Tier in den Fokus rückt. Naturschutz befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen der Aufgabe zu Erhalten und der Dynamik, der die Natur ständig ausgesetzt ist. Glaubwürdig bleiben und Akzeptanz schaffen ist in der Verbandsarbeit nicht immer einfach.

2017 traf Eick spontan die Entscheidung, wenige Tage vor Bewerbungsschluss eine Bewerbung an die Alfred Töpfer Akademie zu schreiben, hin und hergerissen, den Naturschutzverband zu verlassen oder nicht. Dann zog er aber doch von der Hauptstadt in die Heide.
Die Alfred Töpfer Akademie ist eine Einrichtung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Sie ist Bildungszentrum für Verwaltungen, Entscheidungsträger und Multiplikatoren des Naturschutzes und zudem ein regionales Umweltbildungszentrum für Kinder und Jugendliche. Die Vernetzung der verschiedenen Forschungsdisziplinen sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse sind weitere Aufgaben. Eigene Forschungsvorhaben werden in Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen durchgeführt. Die Akademie ist Träger des FÖJ und koordiniert das Bewerbungsverfahren und die Verteilung der fast 200 Plätze landesweit.
Die Akademie ist ein kleinerer Landesbetrieb und bescheiden in Punkto Ausstattung. Dafür steht die Sachlichkeit im Vordergrund. Inhaltliche Naturschutzthemen kommen allerdings in Eicks Arbeit als Direktor nur zu 20% vor, denn seine Aufgabe ist die Verwaltung der gesamten Einrichtung.
Dies ist kennzeichnend für die Arbeit im Naturschutz - je höher die Position desto seltener arbeitet man draußen in der Natur. Niedersachsen setzt in den Schutzgebieten nun mehr Ranger ein, mehr bezahlte Naturschützer draußen vor Ort. Eick kommentiert, dass sich das Ansehen dieser wichtigen Mitarbeiter grundsätzlich ändern muss, da diese Tätigkeit ganz zu Unrecht nicht ausreichend wertgeschätzt wird.

Will man im Naturschutz beruflich arbeiten, trifft man auf eine eher kleine Szene. Es ist hilfreich, diese für sich zu nutzen: Tagungen besuchen, an Gutachten oder Veröffentlichung mitarbeiten, z.B. in Planungsbüros oder schon im Studium. Untere Naturschutzbehörden der Landkreise, Verwaltungen von Großschutzgebieten sind für Naturschutzflächen und Arten zuständig und haben immer unerledigte Aufgaben. Die Anfrage nach einem Praktikum oder eine Abschlussarbeit lohnt sich, und es ist möglich, sich mit viel Herzblut einzubringen. Auch wenn Projektstellen in Naturschutzverbänden oft befristet sind, sind die Verbände wichtige Arbeitgeber. Denn sie verzeichnen laut Eick einen Zulauf an Mitgliedern, es ist ein kleiner Markt vorhanden. Artenkenntnis ist Fleißarbeit, jedoch im Naturschutz eine Grundvoraussetzung, die man sich nach und nach aneignen kann und muss.